web analytics

Über die Aktion

Kampagnenmotiv Aktion Libero

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.
 


Das obige Kampagnenmotiv der »Aktion Libero« und der dazugehörige Text erschienen am Aktionstag (16.11.2011) und darüber hinaus als gemeinsame Stellungnahme in mehr als 100 Blogs.

Hintergrund

In den meisten Bereichen der Gesellschaft bedeutet Homosexualität keinen Nachteil für Karriere und Position. Ausgerechnet in der beliebtesten Sportart ist das anders: Der Fußball bleibt spießig.

Darüber könnte man schmunzeln, wenn es nur eine anachronistische Marotte wäre, aber das Gegenteil stimmt: Homophobie ist in allen Bereichen des Fußballs in einem solch großen Maße präsent, dass Leben und Zusammenleben auf unzumutbare Weise beeinflusst werden.

Wie stark die alltägliche Angst für Menschen sein muss, die ihre Homosexualität tatsächlich in einem solchen Umfeld verbergen, zeigt sich in den Reflexen: Dass gestandene Protagonisten des Fußballs in Panik geraten, wenn sie sich auch nur der Homosexualität »verdächtigt« sehen, beispielsweise weil der eigene Name bei Google in Verbindung mit »schwul« vorgeschlagen wird, ist alarmierend. Die Vehemenz der Abwehrreaktionen dient als Gradmesser für das Ausmaß der allgemeinen Unfreiheit.

Zwar glauben wir, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen auch im Fußball eine vernünftige Position zum Thema Homosexualität hat, aber wir nehmen auch wahr, dass sich Unvernunft und Angst in den Vordergrund drängen: Ob »schwul« als Schimpfwort gebrüllt oder als versteckte Andeutung unterstellt wird, ob Homosexualität in unreflektierten Kommentaren mancher Prominenter oder vermeintlich lustigen Bildunterschriften in Sportzeitungen thematisiert wird – der Hintergrund ist negativ: mindestens unreflektiertes Verhalten, manchmal Unsicherheit, schlimmstenfalls echte Intoleranz.

In einer Zeit, in der es angesagt ist, sich vor allem zu seiner »Normalität« zu bekennen, unaufgefordert und ausdrücklich, ist es überfällig, der Vernunft mehr Stimmen zu geben: Wir sind uns bewusst, dass auch wir als Sportblogger(innen) ein Teil des Systems Fußball sind, und mitverantwortlich für den Tenor. Es mag seltsam klingen, weil es so selbstverständlich ist, aber es ist uns ein Anliegen, klar zu sagen:

Wir sind gegen Homophobie! Auch im Fußball.

Aus diesem Grund wurde die Aktion Libero ins Leben gerufen. Am 16.11.2011, dem Aktionstag, erschien die oben gezeigte Stellungnahme der Sportblogs gegen Homophobie zeitgleich in vielen Weblogs, zusätzlich wurde das Thema in zahlreichen individuellen Texten behandelt. Jemand, der sich für Sport interessiert und gerne im Netz darüber liest, wurde also nahezu zwangsläufig damit konfrontiert. Vielleicht wird das die Situation nicht sofort verändern, aber zumindest regt es zum Nachdenken an, und zu einem bewussteren Umgang.

Das ist ein Anfang.