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Tanja Walther-Ahrens

Fußballerinnen sind doch eh alle Mannweiber, d. h. lesbisch; die Medien jagen schon seit Jahren »den schwulen Fußballer« ohne Erfolg; Nationalspielerinnen zeigen sich von ihrer weiblichsten Seite, um nicht als Lesben zu gelten, und Nationalspieler outen sich ungefragt als hetero. Die Fußballwelt steht Kopf, wenn Homosexualität in ihr vermutet wird.

Dabei wollen Lesben und Schwule doch auch nur spielen! Oder Fans sein. Leider wird jedoch ihre sexuelle Identität immer wieder als Schmähruf für den Schiedsrichter, als Beleidigung für schlechtes Spielen oder zur Diffamierung des gegnerischen Teams verwendet.

Momentan ist die Atmosphäre im Fußball, im Männer- und im Frauenfußball, weder auf den Rängen oder auf den Plätzen noch in den Vereinen und Verbänden so, dass Lesben und Schwule sich wohl und willkommen fühlen. Erst wenn eine Atmosphäre geschaffen worden ist, in der unterschiedlichste Lebensweisen jedem und jeder selbst überlassen sind, ohne mit den eventuell unliebsamen Konsequenzen alleine gelassen zu werden, wird sich dies ändern. Dazu ist es jedoch notwendig, dass Vereine und Verbände endlich anfangen, Homophobie und Homosexualität zu thematisieren.

Erstaunlich wird dann am Ende sein, wie viele Lesben und Schwule schon immer in der Welt des Fußballs waren, nur hätte es niemand gedacht, dass der oder die homosexuell ist, und von dem hätte es überhaupt niemand erwartet. Lassen wir uns überraschen!

Ich freue mich auf eine noch buntere und vielfältigere Fußballwelt, die durch Initiativen wie »Aktion Libero« real werden kann.

Tanja Walther-Ahrens
ehemalige Bundesliga-Fußballerin und Buchautorin