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Claudia Roth

Wo leben wir eigentlich? Warum ist Schwulsein noch immer ein Tabu im Fußball? Und wie kann es sein, dass die größte Mutprobe für Spieler darin bestehen soll, sich zur eigenen Sexualität zu bekennen?

Diskriminierungen und ausgrenzende Verhaltensweisen sind nicht nur menschenverachtend, sie schaffen ein Klima von Angst und Verunsicherung, sie erwürgen jede Kreativität und verschütten Talente. Deshalb ist jede Diskriminierung, egal in welchem Bereich, nicht hinnehmbar. Wir wollen in einer offenen und toleranten Gesellschaft auf der Basis unserer Verfassungswerte leben, deren Regeln nicht vor den Stadien haltmachen dürfen. Denn echte Gleichberechtigung und Gleichstellung sind erst dann erreicht, wenn vorurteilsfreie Akzeptanz der Unterschiede überall in der Gesellschaft zum Normalfall werden. Das Gegenteil erleben wir leider immer wieder in manchen Stadien, wenn Spieler durch Sprechchöre beleidigt werden und das Wort »schwul« eines der meistgebrauchten Schimpfwörter ist.

Deshalb ist eigentlich viel mehr Mut von den Fans als von den Spielern gefragt. Ich wünsche mir, dass diskriminierende Reaktionen künftig mehr Gegenreaktion hervorrufen. Ich hoffe, dass mehr Fans offen für Toleranz eintreten, und ich streite für einen Fußball, der die Vielfalt schätzt und keinen Bogen mehr um das Thema Homosexualität macht. Warum auch?

Claudia Roth
Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen