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Premier League kämpft gegen Homophobie – mit Schnürsenkeln

Ein Text von Laura Reinkens

»Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich einem Spieler noch nicht guten Gewissens zu einem öffentlichen Coming-out raten.« Das sagte Reinhard Rauball Ende Juli gegenüber der SportBild. Oliver Kahn schlug vor etwa einer Woche gegenüber der Gala in die gleiche Kerbe: Zwar sei Homosexualität an sich inzwischen »keine große Sache mehr« – puh, Glück gehabt – »aber es wäre blauäugig, davon auszugehen, dass es im Profisport genauso ist. Ein Spieler, der sich outet, steht jeden Samstag im Stadion vor den gegnerischen Fans.«

Mit einer Kanzlerin, die sich beim Gedanken an ein glückliches schwules Pärchen mit einem oder gleich mehreren Adoptivkindern »nicht so ganz wohlfühlt«, und großen Persönlichkeiten im Sport, die die Sache mit der offenen Homosexualität im Profifußball nun auch nicht so ganz sehen, fragt man sich, welches Jahr wir eigentlich schreiben. Einen tollen Einfall hatten nun eine Aktivisten-Gruppe aus England und ein Wettanbieter, um dem Thema die Öffentlichkeit zu geben, die es verdient.

Stonewall, eine Gruppe, die sich seit 1989 in England für LGBT-Rechte einsetzt, hat sich mit Wettanbieter Paddy Power zusammengetan, um an diesem Wochenende ein Zeichen zu setzen! Durch die Kampagne »Right Behind Gay Footballers« (#RBGF) soll die allgemeine Akzeptanz für schwule Fußballer bei den Fans, den Vereinen und in der Gesellschaft allgemein gefördert werden. Ein Hashtag lässt sich schwer auf den Rasen bringen, daher haben Stonewall und Paddy Power Schnürsenkel entworfen, die im eindeutigen Regenbogen-Design daherkommen.

Diese Schnürsenkel wurden an alle 134 Klubs in UK und damit an mehr als 5000 Fußballer geschickt, um ein Zeichen zu setzen, dass Homophobie in ihrem Sport keinen Platz haben darf. Everton hat sich als erster Verein zurückgemeldet und angekündigt, dass sie die Rainbow Laces am Samstagnachmittag bei West Ham tragen werden. Paddy Power wirbt inzwischen sogar mit tollen Aussagen von Jagielka & Co. Ein Beispiel:

Quelle: @paddypower

Der Sprecher von Paddy Power sagte zur Aktion: »We love football but it needs a kick up the arse. In most other areas of life people can be open about their sexuality and it’s time for football to take a stand and show players it doesn’t matter what team they play for. Fans can show they are right behind this by simply tweeting using the #RBGF hashtag whilst all players have to do is lace up this weekend to help set an example in world sport.«

Auch Joey Barton hat bereits Bilder von sich und seinen Rainbow Laces getwittert, Gary Lineker wird beschnürsenkelt Match Of The Day moderieren. Welche Vereine sich – vielleicht sogar geschlossen – an der Kampagne beteiligen werden, wird der nun kommende Spieltag zeigen. In jedem Fall bleibt die Hoffnung, dass #RBGF den Erfolg haben wird, der sich glücklicherweise schon abzeichnet, und ein ähnliches Format vielleicht auch bald die Rauballs und Kahns davon überzeugen kann, dass es nicht die Gesellschaft ist, die Homosexualität im Fußball nicht annimmt, sondern etwaig Leute wie sie, die durch immer neue negative Aussagen das Rad der Zeit zurück und zurück drehen.

Stonewall Deputy Chief Executive Laura Doughty erklärt ihr Ziel: »It’s time for football clubs and players to step up and make a visible stand against homophobia in our national game. That’s why we’re working with Paddy Power on this fun and simple campaign. By wearing rainbow laces players will send a message of support to gay players and can begin to drag football in to the 21st century.«

Drag football in to the 21st century!

#RBGF

19. September 2013 von Aktion Libero
Kategorien: Allgemein | 1 Kommentar

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