web analytics

Football for everyone
Aktionswoche zum Mitmachen: »Football v. Homophobia«

Wenn über Homosexualität im Fußball geredet wird, fällt auch fast immer der Name Justin Fashanu. Der Name des englischen Profifußballers, der sich während seiner aktiven Karriere zu seiner sexuellen Orientierung äußerte. Der Name des homosexuellen Fußballers, der sich 1998 das Leben nahm.

Am 2. Mai 2008, anlässlich Fashanus zehnten Todestages, gründete Jason Hall die Initiative »The Justin Campaign«. Angefangen hat damals eine kleine Gruppe von drei, vier Leuten. Heute hat die Kampagne einen siebenköpfigen Vorstand und ein loses Netzwerk von ungefähr 20 weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Die »Justin Campaign« engagiert sich in England sehr erfolgreich gegen Homophobie im Fußball, klärt auf, hakt nach, kooperiert mit anderen Organisationen, wächst. In den letzten zwei Jahren fand jeweils am 19. Februar der internationale Aktionstag »Football v. Homophobia« statt, in diesem Jahr wird daraus gleich eine ganze Aktionswoche. Und jeder kann sich daran beteiligen.

Was rund um den 19. Februar 2012 passieren wird, wie man sich selbst engagieren kann und was die Arbeit der »Justin Campaign« ausmacht, erzählt Chris Vanja, als Mitglied des Vorstands einer derjenigen, die der Kampagne ein Gesicht verleihen.


Christopher Vanja ist Director of Arts bei der »Justin Campaign«. Er lebte lange Zeit in Hamburg, ist aber seit einigen Jahren in Brighton zu Hause, auch »das kleine London am Meer« genannt und Chris zufolge »Englands Schwulen- und Lesben-Hauptstadt«. Der 35-Jährige ist ausgebildeter Kulturmanager und arbeitet zurzeit an der University of Sussex.

»Homophobie ist irrational«

Spielst du Fußball? Welche Position?
Ich sehe mir lieber ein Spiel an, als aktiv zu spielen. Also: sitzend oder stehend mit einem Pint Beer.

Lieblingsclub?
Von den deutschen Clubs FC St. Pauli und in England Brighton & Hove Albion FC.

Wie ist es so als Fan von Brighton?
Brighton hat nur einen großen Club und deshalb einen großen Fankreis aus Stadt und Umgebung. Da Brighton als Schwulenhochburg gilt, sind gerade die Fans und Spieler von BHAFC homophoben Sprüchen ausgeliefert. Wir haben erst letztes Jahr im Juli ein neues Stadion bekommen, was den Fans und dem Club weiteres Selbstbewusstsein und Identität gegeben hat. Im Moment spielt die Mannschaft in der zweiten englischen Liga (Championship) und liegt auf einem ganz guten zehnten Platz. Und natürlich ist die Premier League das Ziel, aber so weit sind wir noch nicht.

Fußball ist …
… ein großartiger Sport, der viele Leute zusammenbringt, aber leider auch die Tendenz hat, Leute auszuschließen – vor allem, wenn es um das Thema Sexualität geht.

Homophobie ist …
… irrational und unbegründet. In Bezug auf die Fußballwelt hoffe ich, dass zukünftige Generationen merken, dass es nichts zu fürchten gibt von schwulen Fußballern und dass es tatsächlich erstklassige schwule Fußballer gibt. Justin war sicher nur einer davon.

Die »Justin Campaign« gibt es seit 2008. Was sind eure Ziele, was genau macht ihr?
Die Kampagne wurde gegründet, um darauf hinzuweisen, dass sich selbst zehn Jahre nach Justins Selbstmord nichts in der professionellen Fußballszene hinsichtlich der Akzeptanz von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern (LGBT) geändert und verbessert hat. Mit der Kampagne versuchen wir, auf den Umstand aufmerksam zu machen, und arbeiten auf verschiedenen Ebenen, um Leute zu erreichen. Zum einen arbeiten wir mit jungen Leuten in Schulen. Zum anderen versuchen wir, Fußball in der LGBT-Szene zu bewerben, da viele dort das Gefühl haben, nicht daran teilhaben zu können.
Besonders stolz sind wir, dass wir diesen Monat offiziell als eine der Haupt-Partnerorganisation der englischen Football Association ernannt werden, die aktiv mit der FA zusammenarbeiten werden, um das Thema Homophobie im Fußball anzugehen. Das gibt uns die Chance, direkt Einfluss zu nehmen und positive Änderungen einzuführen, auf oberstem Level. Eines unserer Ziele ist es, im professionellen Fußball ein Umfeld zu schaffen, in dem sich schwule oder lesbische Sportler(innen) sicher fühlen und den Schritt wagen können, sich öffentlich zu ihrer Sexualität zu bekennen.

Was war für dich der Anlass, dich bei der »Justin Campaign« zu engagieren? Seit wann bist du dabei und was ist deine Aufgabe?
Ich habe 2010 angefangen, als Kulturmanager für die Kampagne zu arbeiten. Kultur ist eine der Hauptsäulen, auf die wir unsere Arbeit stützen, da wir überzeugt sind, dass kulturelle Aktionen ein weiteres Kommunikationsfeld öffnen, um mit Fußballfans zu interagieren und einen kreativen Dialog zu ermöglichen. Ich hatte persönlich den Wunsch, Homophobie in der Gesellschaft zu bekämpfen, und finde, der Fußball ist dafür ein guter Ausgangspunkt.

Gibt es Unterstützer? Wie finanziert ihr euch?
Wir sind eine Organisation, die ausschließlich ehrenamtlich geführt wird. Wir sind sehr auf Spenden angewiesen und bekommen kleinere Zuschüsse von Vereinen für unsere Arbeit mit jungen Leuten. Dazu kommt ein weiterer kleiner Zuschuss von der FA für unsere Arbeit als deren Partnerorganisation.

Gibt es einen Moment oder ein Ereignis, an das du dich besonders gern erinnerst?
Beeindruckend war, als sich eine Gruppe von 14-jährigen Jungs in Eigeninitiative um Spenden bemühte, um sich pinke Fußballshirts mit unserem »Justin Campaign«-Logo und dem Slogan »Tackling Homophobia in Football« anfertigen zu lassen. Das war schon ein bewegender Moment, als sie sich ganz mutig im Brighton & Hove Albion Stadium fotografieren ließen – mitten auf dem Spielfeld, kurz vor dem Anpfiff und vor Tausenden von Fans. Wir waren sehr stolz auf die Jungs.

Was macht dich wütend?
Dass viele Fans es nach wie vor als reine Scherzerei abtun, wenn sie homophobe Gesänge anstimmen. Ich frage mich, ob sie dieses Vokabular auch in anderen Situationen in der Öffentlichkeit verwenden würden, zum Beispiel im Supermarkt oder gegenüber Kollegen im Büro. Ich hoffe wirklich nicht …

Was macht dich glücklich?
In Bezug auf unsere Arbeit macht es mich glücklich, dass wir Unterstützung von oben bekommen. Die britische Regierung hat kürzlich eine Charta gegen Homophobie und Transphobie im Sport veröffentlicht und bestärkt Sportclubs aktiv darin, diese Charta zu unterschreiben. Das ist vor allem im Hinblick auf die Olympischen Spiele ein wichtiges Zeichen. Ob darauf auch Taten folgen, um die Absicht der Charta umzusetzen, muss man natürlich abwarten.

Worum handelt es sich nun genau bei »Football v. Homophobia«?
FvH ist unsere große Initiative, die als Aktionswoche um den 19. Februar herum stattfindet. Die Idee ist – ähnlich der FARE Action Weeks gegen Rassismus –, dass Fans, Fußballvereine und andere Gruppen oder einzelne Leute ihre eigenen FvH-Events planen und damit in ihrer Umgebung auf das Thema Homophobie im Fußball aufmerksam machen.

Was wird in diesem Jahr rund um den 19. Februar passieren?
Für dieses Jahr haben Arsenal und zehn weitere professionelle Clubs zugesagt, eine Aktion in deren Stadien zu machen. Daneben gibt es viele kleinere Fußballturniere landesweit und in ganz Europa, die unter dem FvH-Banner laufen.

Wie kann man die Aktion unterstützen?
Einfach ein paar Leute zusammentrommeln, eine Idee entwickeln und loslegen. Es gibt auf unserer Website viele Beispiele von Events vom vergangenen Jahr. Neben Fußballturnieren mit gemischten Teams – also hetero, lesbisch, schwul, bi, trans – gab es Infoveranstaltungen, Plakate und Banner in lokalen Fußballvereinen und Durchsagen während der Halbzeit. Und eine Schule hatte zum Beispiel unser Logo eine Woche lang als Bildschirmschoner auf den Computern installiert. Manche Dinge sind sehr einfach umzusetzen. In jedem Fall wäre es super, wenn Leute, die sich engagieren, uns anschreiben, sodass wir wissen, was so passiert. Wir können dann auch gern Logos und Promomaterial zuschicken.

Ist deiner Erfahrung nach die Stimmung in den Stadien in Bezug auf Homophobie und Diskriminierung generell in England anders als in Deutschland? Oder anders gefragt: Nimmst du Parallelen oder Unterschiede wahr, auch was das Engagement der Fans betrifft?
Fußball ist in Großbritannien noch viel kommerzieller als in Deutschland. In den Stadien wird viel mehr reguliert und gesteuert. Leider trifft das (noch) nicht zu, wenn es um homophobe Gesänge geht. Aus unserer Perspektive ist Deutschland im Vergleich zu England schon sehr weit mit der Debatte um Homophobie im Fußball, aber gerade im vergangenen Jahr haben wir auch wahrgenommen, dass sich die Dinge hier plötzlich viel schneller bewegen und das Thema immer wichtiger wird. Letzte Woche hat die BBC zum Beispiel eine Doku über Homophobie im Fußball ausgestrahlt, die zu den meistgeschauten Sendungen des letzten Jahres gehörte und bei Twitter ein Riesenthema war. Da ist großes Interesse unter den Fans, den Medien und den Fußballclubs. Wir möchten deshalb in Zukunft noch mehr Aktionen in den Stadien durchführen.

Du hast drei Wünsche für 2012 frei. Was wünschst du dir?
– Mehr Zeit! Um mit meinen Kollegen von der Kampagne nach Hamburg zu einem St.-Pauli-Spiel gehen zu können und um Freunde wiederzusehen.
– Ein Motorrad.
– Und dass Brighton & Hove Albion weiter klettert. Zurzeit sind sie ja gar nicht schlecht dabei.

Vielen Dank, Chris!

Fotos und Hinweise zu eurem Engagement während der Aktionswoche (und darüber hinaus) könnt ihr gerne an info@aktion-libero.de schicken. Chris und die »Justin Campaign« erreicht ihr unter chris@thejustincampaign.com.

Shirts für eine gute Sache – und eine Verlosung

Wer das Engagement der »Justin Campaign« unterstützen möchte und die Aktionswoche »Football v. Homophobia« dafür als willkommenen Anlass empfindet, der sollte mal im Libero-Laden vorbeischauen: Dort gibt es jetzt nämlich T-Shirts mit dem FvH-Kampagnenlogo. Pink auf Schwarz, in englischer oder deutscher Variante, für Männer und Frauen. Mit dem Kauf eines Shirts spendet ihr fünf Euro für eine gute Sache: Das Geld geht direkt an die »Justin Campaign«.

Und weil auch die Leute von Spreadshirt* die Kampagne klasse finden, schenken sie uns zwei FvH-Aktionsshirts, die ihr gewinnen könnt. Schreibt uns bis Montag (13. Februar 2012) an info@aktion-libero.de, warum ihr ein FvH-Shirt gewinnen möchtet und was ihr persönlich im Kampf gegen Homophobie im Fußball besonders wichtig findet. Die Gewinner(innen) geben wir am Dienstag auf dieser Seite bekannt (wer das nicht will, bleibt natürlich anonym). Wenn ihr nicht dazugehört, habt ihr also immer noch ausreichend Zeit, euch pünktlich zur Aktionswoche euer Wunschshirt zu bestellen.

* Kurze Werbeeinblendung: Bei Spreadshirt kann man T-Shirts selbst gestalten. Unser Eindruck: Das Team ist sehr nett und hilfsbereit, die gesamte Abwicklung professionell und schnell. Eine klare Empfehlung.

10. Februar 2012 von Aktion Libero (st)
Kategorien: Allgemein | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Pingback: »Mehr Worte und mehr Aufklärung bitte« | Aktion Libero

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert